Einige Wochen nach der Bundestagswahl liegt Union in einer aktuellen Umfrage erstmals gleichauf mit der AfD. Liegt es an den derzeit laufenden Koalitionsverhandlungen?

Nach der Bundestagswahl gab es für Friedrich Merz‘ Union noch einen kurzen Schub – seitdem sinken die Umfragewerte. Und die AfD klettert immer weiter nach oben. In einer am Samstag von „Bild“ veröffentlichten Umfrage des Instituts Insa kommt nun, wovor sich Politiker der CDU und CSU seit Monaten gefürchtet haben: Die AfD liegt erstmals bundesweit gleichauf mit den Unionsparteien.

Jeweils 24 Prozent der befragten Wähler würden demnach für CDU/CSU und AfD stimmen, nachdem die Union gegenüber der Vorwoche zwei Punkte verloren, die AfD einen gewonnen hat. Die AfD wäre damit erstmalig auch im Bund die stärkste Partei, wenn auch nur geteilt. Die SPD bleibt in der Umfrage unverändert auf 16 Prozent, die Grünen kommen auf 11 Prozent (-1), die Linke ebenfalls (+1). Alle anderen Parteien würden weiter an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern.

Wahlumfrage sieht Absturz der Union

Für Merz ist das Ergebnis eine Katastrophe. Bei der Wahl im Februar hatte er für die Union noch 28,5 Prozent geholt, es war das zweitschlechteste Ergebnis des Parteienbündnisses in einer Bundestagswahl. Dass sie noch weiter verliert, dürfte an den Koalitionsverhandlungen liegen. Merz war mit harten Positionen in den Wahlkampf gegangen, von denen er in den Gesprächen mit der SPD nun zurückrudern muss, etwa in Bezug auf Verschuldung oder Migrationspolitik.

Der Umfrage-Absturz ist trotzdem ungewöhnlich. „So einen Zustimmungsverlust gab es noch nie in der Zeit zwischen Bundestagswahl und Regierungsbildung“, betont Insa-Chef Hermann Binkert bei „Bild“. „Selbst bei der Ampel-Regierung gab es eine Anfangseuphorie. Eine schwarz-rote Regierung mit Friedrich Merz an der Spitze würde mit einer Umfrage-Krise beginnen.“

Schwierige Koalition

Die Verhandlungen für die Regierungsbildung sind schon beim tatsächlichen Ergebnis der Bundestagswahl schwierig, mit dem aktuellen würden sie noch einmal dramatisch komplizierter werden. Mit den Verhältnissen der Insa-Umfrage würden 43 Prozent der Stimmen für eine Regierung benötigt. Ohne die Stimmen der AfD wäre das aber nur noch in Dreierbündnissen erreichbar, etwa durch ein Bündnis von Union, SPD und Grünen. Alternativ bliebe nur ein Bündnis von Union und AfD – auf Augenhöhe.