Bleibt das Deutschlandticket auf Dauer? Wenn es nach dem Chef des Tourismusverbandes geht, ist die Antwort für Niedersachsens Urlaubsregionen klar. Er sieht aber noch einen weiteren Handlungsbedarf.

Das Deutschlandticket sollte aus Sicht des Tourismusverbandes Niedersachsen (TVN) auch für die Mobilität von Urlaubsgästen in den Ferienregionen im Land unbedingt weitergeführt werden. „Ein Aus des Deutschlandtickets würde den Tourismus in Niedersachsen treffen“, sagte der Vorsitzende des Tourismusverbandes und Landrat von Wittmund, Holger Heymann, der Deutschen Presse-Agentur.

Viele Urlaubsgäste aus Großstädten seien es gewohnt, kein Auto mehr zu besitzen, weil sie einen verlässlichen ÖPNV kennen würden, sagte Heymann. „Auch diese Gäste möchten wir mit unseren Urlaubsregionen ansprechen – übrigens auch aus dem Ausland, die zum Beispiel mit dem Zug anreisen.“ 

Im Tourismusverband Niedersachsen sind Fachverbände, touristische Organisationen und Hochschulen zusammengeschlossen. 

Wie es mit dem Deutschlandticket weitergeht 

Die Finanzierung des bundesweit gültigen Tickets im Nah- und Regionalverkehr durch Bund und Länder ist bis Ende 2025 gesichert. Koalitionsunterhändler von Union und SPD wollen es langfristig sichern. Das Ticket, das derzeit 58 Euro im Monat kostet, soll aber von 2027 an teurer werden. Das geht aus dem Papier der Arbeitsgruppe Verkehr und Infrastruktur, Bauen und Wohnen hervor. Eine endgültige Einigung steht in den Koalitionsverhandlungen aber noch aus.

Wie viele Menschen in Niedersachsen das Deutschlandticket zu touristischen Zwecken nutzen, ist bislang nicht bekannt. Das Tourismusnetzwerk Niedersachsen teilt auf Anfrage mit, aus Reiseanalysen und Daten des Statistischen Bundesamtes sei zu erkennen, dass es bundesweit zuletzt eine leichte Zunahme von Bahnreisen im Tourismus gegeben habe.

Insgesamt nutzten Ende 2024 rund eine Million Niedersachsen das Deutschlandticket, wie das Verkehrsministerium in Hannover mitteilte. Auch Verkehrsminister Olaf Lies (SPD) hatte zuletzt von der neuen Bundesregierung gefordert, das Angebot fortzuführen.

Ausbau des Nahverkehrs im ländlichen Raum

TVN-Chef Heymann sieht im Deutschlandticket noch Potenzial, auch für den touristischen Verkehr. „Den Preis von 58 Euro finde ich in Ordnung, aber viel teurer darf es nicht werden, dann verliert es an Attraktivität. Ich glaube, durch mehr Einsatz von Schienenfahrzeugen und eine bessere Taktung könnte man das Deutschlandticket noch attraktiver machen.“ Mobilität sei im Tourismus ein zentrales Thema „und bei uns im ländlichen Raum ausbaufähig.“

Der SPD-Politiker spricht sich deshalb auch für die Reaktivierung stillgelegter Bahnstrecken aus. Zum Beispiel gibt es eine stillgelegte, rund zwölf Kilometer lange Teilstrecke an der ostfriesischen Nordseeküste, eine Lücke im Schienennetz zwischen Dornum (Landkreis Aurich) und Esens (Landkreis Wittmund), bei der eine Reaktivierung seit Jahrzehnten diskutiert wird.

Für die Wirtschaftlichkeit solcher Bahnstrecken dürften nicht allein die Bewegungen von Pendlerinnen und Pendler als Maß genommen werden, sagt Heymann. Auch der Tourismus müsse beim Bedarf berücksichtigt werden. „Ich kann in jeder Studie nachlesen, wie sich Reiseverhalten verändert. Da sehe ich durchaus eine Wirtschaftlichkeit für solchen Bahnstrecken.“