Ein Mädchen spielt mit anderen Kindern. Dann wird es von einem Hund angegriffen. Während das Kind schwer verletzt wird, müssen Behörden über das bissige Tier entscheiden. Wie häufig sind solche Fälle?

Nach dem Angriff auf ein spielendes Mädchen in Öhringen (Hohenlohekreis) muss eine bissige Bulldogge einen Maulkorb tragen und an die Leine genommen werden. Die Stadt habe eine entsprechende sofortige Auflage gegen den Halter des Tieres verfügt, teilte die Polizei mit. 

Außerdem werde der Vierbeiner von der Hundeführerstaffel der Polizei begutachtet. „Dann muss gemeinsam mit den Behörden entschieden werden, wie weiter mit dem Tier umgegangen wird“, sagte die Polizeisprecherin. 

Beim Trampolinspringen angegriffen 

Das zwölfjährige Mädchen war am Sonntag in einem privaten Garten und beim Trampolinspringen mit den Kindern des Hundebesitzers plötzlich von der Bulldogge ins Genick gebissen worden. Als der Vater des Kindes eingreifen wollte, wurde auch er in die Hand gebissen. Das Mädchen wurde mit dem Rettungshubschrauber in eine Klinik geflogen. Lebensgefahr besteht nicht, aber nach Polizeiangaben wird das Kind weiter behandelt.

Ermittelt wird nach weiteren Angaben der Beamten wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung. Unklar sei bislang noch, warum der Hund – es soll sich um eine Bulldogge handeln – plötzlich aggressiv wurde. Das Springen der Kinder auf dem Trampolin könnte das Tier nervös gemacht haben. Der Hund sei bislang nicht auffällig gewesen, hieß es weiter.

Zehntausende Bissverletzungen 

Nach einer bereits 2015 veröffentlichten Studie der Berliner Charité beißt oftmals der eigene Hund oder ein zumindest bekanntes Tier zu. Laut Studie kennen in 90 Prozent der Fälle die Beißopfer den Hund, weil er ihnen selbst oder etwa Verwandten oder Nachbarn gehört. „Der viel gefürchtete Angriff aus dem Nichts, in der Öffentlichkeit, ist also eher selten“, führte Karin Rothe, Direktorin der Klinik für Kinderchirurgie, damals hierzu aus. 

Zugebissen wird oft, aber die Daten dazu sind in Deutschland ungenau, da es keine Meldepflicht gibt und keine Beißstatistik geführt wird. Nach früheren Zahlen von Versicherern werden jährlich mehrere Tausend Bissverletzungen durch Tiere registriert. Hunde seien für etwa 60 bis 80 Prozent dieser Verletzungen verantwortlich. Allerdings könnte die Dunkelziffer höher sein, da nicht alle Vorfälle gemeldet werden. 

Es werden vor allem Kinder gebissen

Von Hundebissen sind laut Statistik überdurchschnittlich Kinder und Jugendliche betroffen: Ein Viertel der Opfer sind jünger als sechs Jahre, weitere 34 Prozent sind zwischen sechs und siebzehn Jahren alt, wie Karin Rothe herausgefunden hat. Als besonders gefährdet gelten Kinder und Jugendliche, weil Unfälle wie in Öhringen häufig beim Spielen, Vorübergehen, Kuscheln oder Füttern des Hundes passieren. 

Tierbisse sind aber auch nicht nur unmittelbar gefährlich, etwa durch die Verletzung großer Gefäße, von Muskeln, Sehnen und Nerven, sondern unabhängig davon auch durch Keime, die dabei über den Speichel des Hundes übertragen werden und die Wunde infizieren können. Daher sollte nach jedem Tier­biss ein Arzt oder eine Ärztin aufgesucht werden.